Ende Januar sollte es für Eli und mich eigentlich ganz entspannt zu unserem Zwischenseminar nach Kribi gehen. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn leider gab es bis kurz vor Abreise immer noch Probleme mit unseren Visa, welche Anfang Februar abliefen; also genau dann, wenn wir beim Seminar sein sollten.
Father Dan hatte sich die letzten Jahre immer gut um die
Visumsverlängerungen, die man nur in Yaoundé beantragen kann, gekümmert, aber
dieses Mal schien das irgendwie nicht so recht zu klappen. Unser Mentor, Father
Francline, konnte Father Dan anscheinend einfach nicht erreichen und wartete
die letzte Woche vor dem Seminar immer noch auf einen Rückruf; während wir
gleichzeitig unseren Mentor nicht erreichen konnten und nicht wussten, was der
weitere Plan sein sollte. Als wir ihn
dann endlich am Donnerstag abfangen konnten, waren wir bereits in relativ großer
Zeitnot. Da Father Dan immer noch unauffindbar war, packten Eli und ich schnell
unsere Sachen und setzten uns gezwungener Maßen spontan am selben Abend in
einen Nachtbus nach Yaoundé.
Die wussten, so schien es,selbst nicht so recht was sie mit uns anfangen sollten und schickten uns von Behörde zu Behörde im Kreis weiter. Schließlich fanden wir doch noch eine Polizistin, die uns unsere Dokumente abnahm, uns aber erklärte, dass die Visumsverlängerung frühestens Montag oder Dienstag fertig sein könnte, nach Seminarbeginn also, da half alles bitten und betteln nichts. Das bedeutete, dass wir nach dem Seminar noch mal nach Yaoundé müssten.
Für uns, inzwischen schon völlig entnervt von der Stadt, kein schöner Gedanke. (Dazu muss man sagen, dass ich Yaounde eigentlich sehr gerne mag und die Stadt auch viele interessante und coole Ecken hat, aber zu denen gehört nun mal nicht die Polizeistation und von der hatte ich an dem Tag wahrlich genug gesehen.)
Naja, da konnte man jetzt nichts mehr machen, weil wir aber nicht bis Seminarbeginn in Yaoundé bleiben wollten, schlossen wir uns spontan vier Freiwilligen an, die von Edea aus (auf dem Weg zwischen Yaounde und Kribi), am Sonntag einen Tagesausflug zur Schimpanseninsel bei Marienberg planten.
Auf drei unbewohnten Inseln nahe Marienberg gründete nämlich
die Französin Patricia Leschaeve 2003 die Stiftung Papaye, die Schimpansen-Waisen,
welche sonst verhungern oder über den Schwarzmarkt an Privatleute verkauft
werden würden, aufnimmt und großzieht. Man kann mit einem Guide und für einen
Eintrittspreis auf eine dieser Inseln gehen und dort die Schimpansen-Kinder
besuchen, etwas was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. So machten
wir uns dann am Sonntag morgen, mit einer riesen Tasche voll mit Obst und
Gemüse für die Schimpansen, von Edea nach Marienberg auf.
Die Anreise dauerte etwas länger als geplant, da unser
Fahrer sowohl keine Papiere für sein Auto hatte als auch einen auslaufenden
Kühler, weswegen wir dauernd bei Polizeikontrollen angehalten wurden.
Wenigstens den auslaufenden Kühler konnte er reparieren mit, ich wollte es kaum
glauben, Tomatenmark! Danach funktionierte erstaunlicherweise wieder alles und
wir konnten weiterfahren.
In Marienberg angekommen, holte uns ein freundlicher Mitarbeiter
ab und fuhr uns mit einem Boot ins Camp, in dem momentan neben Pflegern und
Hunden, 6 Schimpansen-Kinder leben, zwischen einem und neun Jahren alt. Wir
wurden gleich von Tomatoe begrüßt, der total neugierig und verspielt auf uns
zukam und uns mit in den Regenwald zu seinen Spielgefährten begleitete. Dort
angekommen, riefen die Pfleger die anderen Schimpansen und lockten sie mit
unserem Obst an. Bald schon waren wir umringt von Banana, Miel, Lemon und nderen
mit ähnlich leckeren Namen. Es ist wirklich unfassbar diese kleinen und irgendwo
so menschlichen Schimpansen-Kinder auf dem Arm zu halten und mit ihnen Hand in Hand
spazieren zu gehen. Nur mussten wir mit unseren Wertsachen vorsichtig sein,
immer wieder versuchte Miel unsere Handys und Kameras zu klauen; diese zu
packen und damit auf den nächsten Baum zu klettern, scheint nämlich ein
unheimlich spaßiges Spiel zu sein.
Danach war unser Ausflug leider schon zu Ende und es ging
mit dem Boot zurück nach Marienberg und von dort aus mit dem Taxi (diesmal zum
Glück deutlich schneller) wieder nach Edea. Der Ausflug war einfach nur mega
schön und ich bin total glücklich so etwas gesehen und erlebt haben zu können.
Montag in aller Früh ging unsere Reise dann weiter nach
Kribi. Wir wurden in einem wunderschönen Hotel direkt an Kribis Traumstrand
untergebracht. Das Seminar wurde von Brot für die Welt organisiert und es kamen
zwei Mentorinnen aus Deutschland extra für die Woche nach Kamerun. Sie hatten
für uns total lieb Gummibärchen, Nutella und Vollkornbrot aus Deutschland
mitgebracht, über die sich alle freuten; aber das eigentlich Highlight, auf das
wir uns alle stürzten, waren deutsche Zeitschriften von den letzten Wochen. Da
kamerunische Nachrichten eher über lokale und nationale Geschehnisse berichten
und die meisten Freiwilligen im anglophonen Teil ohne Internet sind, waren wir
politisch echt nicht mehr auf dem Laufenden, deswegen war die erste
Seminareinheit eine offene Runde in der wir unsere Fragen über die
Weltgeschehnisse loswerden konnten. Wenn man dann so hört, was für einen
neusten Unfug Trump als Präsident treibt und wie es um die Flüchtlingskrise in
Europa steht, während man selbst im Stuhlkreis mit Blick aufs Meer sitzt, kommt
einem das alles wirklich ganz weit weg und wie eine andere Welt vor.
Eli, zwei andere Freiwillige aus Bamenda und ich blieben
dann noch den Sonntag in Kribi, da wir Montags
ja nochmal nach Yaoundé mussten. Wir machten uns einen schönen Tag am
Strand und schauten abends dann das Finale der afrikanischen
Fußballmeisterschaft. Es spielte Kamerun gegen Ägypten und auch wenn Ägypten anscheinend
bessere Chancen hatte, schaffte es Kamerun gegen Ende noch zwei Tore zu
schießen und sich somit den Sieg zu sichern. Alle waren völlig aus dem Häuschen
und freuten sich total.
Unser Rückweg über Yaoundé nach Kumbo war dann nicht mehr so
erwähnenswert. Den Tag, den wir damit verbrachten unsere Visa zu holen war wieder
einmal sehr lang und nervig, aber wenigstens hatten wir am Ende unsere Visa für
weitere sechs Monate in der Hand und konnten damit und mit vielen neuen
Erfahrungen im Gepäck glücklich nach Hause weiterreisen.
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